Einladung vom BV Sillenstede e.V. zur Vorstellung der Bürgermeisterkandidaten in Schortens, 26.06.2026 um 19 Uhr
Der Bürgerverein hatte im Vorfeld dazu aufgerufen, Fragen einzureichen und eine Woche vorher bekamen wir Kandidaten einen Überblick, worum es gehen würde: Vorstellung, Haltung und Einordnung. Die gestellten Fragen waren ein Auszug aus den vielen Bürgerzuschriften, damit die Veranstaltung im zeitlichen Rahmen bleiben konnte, eine gute und faire Auswahl. Hier jetzt alle Fragen und Antworten.
Runde 1: Die Vision, der Mensch & das Amt (Einstieg)
Was hat Sie bewogen, Bürgermeister zu werden, was ist reizvoll an diesem Amt?
meine Antwort: Für mich persönlich kann man dieses Amt nur dann verantwortungsvoll übernehmen, wenn drei Voraussetzungen erfüllt sind: Man muss die Stadt und ihre Menschen wirklich kennen, idealerweise seit mehr als 3 Jahren leben. Man braucht echte Führungserfahrung über einen längeren Zeitraum. Und man sollte die zentralen Aufgaben des Bürgermeisteramtes schon ein wenig verinnerlicht haben, denn Repräsentation macht nur einen ganz kleinen Teil der Arbeit aus.
Ich lebe und kenne Schortens seit vielen Jahren, habe umfangreiche Führungs‑ und Verwaltungserfahrung und arbeite seit über elf Jahren in der Stadtverwaltung. Für mich geht es darum, Aufgaben strukturiert und verlässlich anzugehen: Ortsteile stärken, Vereine unterstützen, Chancen als Garnisonsstadt und Bioshärenregion (Stadt) zu nutzen und alle wichtigen Projekte konsequent umzusetzen. Viele Menschen wünschen sich weniger Ankündigungen und mehr Ergebnisse, deshalb setze ich auf klare Prioritäten, solide Arbeit und Verantwortung in der Verwaltung.
Was unterscheidet Sie konkret von den anderen Kandidaten?
meine Antwort: Ich vergleiche mich nicht mit anderen, sondern spreche für mich selbst. Ich bringe langjährige Führungserfahrung aus Bundeswehr und Wirtschaft ca. 16 Jahre, über elf Jahre Verwaltungspraxis und eine tiefe Verbundenheit mit Schortens mit. Ich lebe seit 2009 mit meiner Familie hier, kenne die Ortsteile, Vereine (einige Persönlich) und Themen die die Menschen bewegen. Diese Mischung aus praktischer Erfahrung, lokaler Verwurzelung und Verwaltungswissen prägt meine Arbeitsweise.
Was sind Ihre drei wichtigsten Ziele für Schortens in den nächsten fünf Jahren?
meine Antwort: Meine drei wichtigsten Ziele sind klar: Erstens stehen die Pflichtaufgaben wieder im Mittelpunkt: Grundschulen, Feuerwehren sowie Straßen‑ und Wegebau. Zweitens braucht es eine zuverlässige Verwaltung, in der Strukturen stimmen und Mitarbeitende motiviert arbeiten können. Und dazu muss ein gesunder Abstand zwischen Politik und Verwaltung geschehen, damit gegenseitiges Vertrauen, Respekt und Freundlichkeit wieder hergestellt ist. Drittens möchte ich die Ortsteile besser verbinden, damit Vereine und Stadtteile mit der Verwaltung zielgerichtet kommuniziert und echte Zusammenarbeit entsteht, unterstützt durch glaubwürdige, regelmäßige Austauschformate.
Ich würde dazu einige Resetknöpfe drücken müssen.
Was würden Sie in den ersten 100 Tagen konkret anstoßen?
meine Antwort: In den ersten 100 Tagen geht es mir um Glaubwürdigkeit und klare Strukturen. Ich verschaffe mir ein vollständiges Lagebild in Verwaltung, Projekten und Ortsteilen und ordne Verantwortlichkeiten neu bzw. verbessern, besonders bei Pflichtaufgaben wie Schulen, Feuerwehr sowie Straßen‑ und Wegebau im Vordergrund rücken. Mit den Vereinen möchte ich regelmäßige, unpolitische Austauschrunden starten, um Baumaßnahmen und Formate abzustimmen. Zusätzlich plane ich quartalsweise Berichte, damit alle nachvollziehen können, was umgesetzt wurde und wo wir stehen.
Wie wollen Sie als Bürgermeister/in überparteilich agieren und sicherstellen, dass Sie das gesamte Stadtgebiet vertreten und nicht nur Ihre Fraktions-/Parteiinteressen?
meine Antwort: Überparteiliches Arbeiten ist für mich eine Grundhaltung. Ich bin parteilos und damit an keine Fraktionsinteressen gebunden. Mir geht es darum, das gesamte Stadtgebiet im Blick zu behalten und mit allen konstruktiv zusammenzuarbeiten. Ich setze auf Zuhören, Erklären und Einbinden Entscheidungen treffe ich nach Sachlage, nicht nach Parteifarbe. Respekt und Sachlichkeit sind für mich unverhandelbar, persönliche Angriffe, egal von wem sind für mich ein klares No‑Go, unwählbar!
Runde 2: Verwaltung, Finanzen & Bürgerdialog
Finanzielle Handlungsfähigkeit: Wie wollen Sie die Stadt finanziell handlungsfähig halten, ohne die Bürger zusätzlich stark zu belasten?
meine Antwort: Finanzielle Handlungsfähigkeit heißt für mich, die Stadt zu stabilisieren, ohne Bürger zusätzlich zu belasten. Durch den Verkauf des Abwassernetzes (unser Silberbesteck) fehlen langfristige Einnahmen, deshalb setze ich auf zwei Wege: die Einnahmebasis stärken, vor allem durch mehr Gewerbe und eine effizientere Verwaltung, die auch Projekte sauber steuert. Langfristig möchte ich die Hebesätze senken, aber erst, wenn die Strukturen stabil sind. Für mich gilt: solide Haushaltsführung, klare Prioritäten und keine unnötigen Belastungen für die Menschen.
Wo sehen Sie konkretes Einsparpotenzial in der Verwaltung und wo ausdrücklich nicht?
meine Antwort: Einsparpotenziale sehe ich nicht bei Leistungen oder Personal. Der TVöD bietet Möglichkeiten, die wir konsequenter nutzen müssen. Belastend wirken unklare Vorgaben von Land und Bund. Deshalb setze ich auf Bürokratieabbau, harmonisierte Abläufe und das Besetzen vakante Stellen. Effizienz entsteht durch klare Strukturen und eine Verwaltung, die ihre eigenen Möglichkeiten nutzt ohne Einsparungen bei Mitarbeitenden oder Pflichtaufgaben.
Wie kann die Zusammenarbeit mit Vereinen/Ehrenamtlichen unbürokratischer werden?
meine Antwort: Die Zusammenarbeit mit Vereinen und Ehrenamtlichen muss deutlich unbürokratischer werden. Die neuen Richtlinien Februar 2025 erzeugen hohen Aufwand, etwa durch zusätzliche Meldungen oder mehrfach einzuholende Angebote. Für mich heißt unbürokratisch: klare Ansprechpartner, einfache Abläufe und nutzbare Werkzeuge. Entscheidend ist ein regelmäßiger, verlässlicher Austausch, damit Informationen nicht wie stille Post verloren gehen. Vereinfachte Prozesse und klare Zuständigkeiten entlasten direkt die Menschen, die sich engagieren.
Stichwort Politikverdrossenheit: Was tun Sie gegen das Gefühl, dass Politik an den Bürgern vorbeientscheidet?
meine Antwort: Viele Menschen haben das Gefühl, dass Politik an ihnen vorbeientscheidet, im Großen wie im Kleinen. Vertrauen entsteht für mich durch nachvollziehbare Entscheidungen, klare Kommunikation und quartalsweise Berichte, damit sichtbar wird, was umgesetzt wurde. Wichtig ist: zuhören, bevor entschieden wird, und Verwaltung, Politik, Vereine und Ortsteile wieder in echten Austausch bringen, effizient, ohne Gesprächsüberfluss. Mein Ansatz: weniger Ankündigungen, mehr Umsetzung, damit Vertrauen in lokale Politik zurückkehrt.
Aber, bitte nicht so viele Gespräche… ich bin ein Freund von Effizienz und wenig Politik, am besten gesunder Menschenverstand. Schlechtes Beispiel Bürgerbeteiligung Menkestraße fast 50 % Politikbeteiligung; Gutes Beispiel ist der öffentliche Antrag „Freie Bürger wollen Schwimmponton für den Badesee zurückholen!“, das ist Bürgernähe.
Mit welchen Formaten wollen Sie Verwaltung und Haushaltsentscheidungen transparenter und bürgernäher machen?
meine Antwort: Transparenz entsteht für mich durch klare, verlässliche Formate. Dazu gehören quartalsweise Berichte parallel zum Ratsbericht, damit sichtbar wird, was umgesetzt wurde und welche Entscheidungen anstehen. Zweitens braucht es einfache, verständliche Informationswege mit digitalen Werkzeugen, kurzen Übersichten und klaren Ansprechpartnern. Drittens setze ich auf frühen, direkten Austausch mit Ortsteilen, Vereinen und Initiativen, damit Informationen nicht wie stille Post verloren gehen. Ziel ist eine Verwaltung, die offen arbeitet und Entscheidungen nachvollziehbar macht.
Wie gehen Sie mit Kritik und Konflikten in der Bürgerschaft um?
meine Antwort: Kritik gehört für mich zu einem demokratischen Miteinander. Ich sehe sie nicht als Angriff, sondern als Hinweis, wo etwas unklar ist. Wichtig sind zuhören, nachfragen und erklären. Viele Konflikte entstehen durch fehlende Informationen, deshalb setze ich auf direkten Austausch in Ortsteilen, mit Vereinen und Bürgerinnen und Bürgern. Berechtigte Kritik nehme ich an, Missverständnisse kläre ich auf. Ziel ist immer: respektvoll bleiben, Lösungen finden und durch klare Kommunikation Vertrauen stärken.
Ist der Austausch in Sozialen Medien das richtige Format?
meine Antwort: Soziale Medien sind für mich ein hilfreiches Werkzeug, aber kein Ersatz für echten Austausch. Sie ermöglichen schnelle Infos und Rückmeldungen, führen aber auch zu Missverständnissen. Deshalb setze ich auf eine Kombination aus digitaler Transparenz und persönlicher Präsenz vor Ort in Ortsteilen, Vereinen und Gesprächen. Nur im direkten Austausch versteht man Hintergründe und kann Konflikte klären. Beides zusammen schafft einen Austausch, der wirklich trägt.
Runde 3: Identität, Ortsteile & Stadtentwicklung
Schortens besteht aus einem Kern und 12 teils sehr eigenständigen Ortsteilen (Sillenstede, Grafschaft, Accum etc.). Wie schaffen wir ein echtes, gemeinsames „Wir“-Gefühl, ohne dass sich die Ortsteile abgehängt fühlen?
meine Antwort: Schortens hat starke Ortsteile und das ist ein Vorteil. Ein Wir‑Gefühl entsteht nicht, indem man alles gleichmacht, sondern indem man die Identität jedes Stadtteils ernst nimmt. Ich setze auf regelmäßige Vereins‑ und Ortsteilrunden ohne politische Bühne, auf gemeinsame Formate wie wechselnde Veranstaltungen oder Aktionen mit der Bundeswehr und auf klare Strukturen, damit Informationen nicht wie stille Post verloren gehen. So fühlt sich jeder Ortsteil gesehen und wir wachsen trotzdem zusammen. Vertrauen und Wir Gefühl braucht Zeit!
Dorfentwicklung & Nahversorgung: Apotheken schließen, Bankfilialen ziehen sich zurück. Welche Strategien haben Sie zur Dorfentwicklung und wie sichern Sie die Nahversorgung in den Ortsteilen?
meine Antwort: Die Nahversorgung in vielen Ortsteilen ist bereits unter erheblich unter Druck. Deshalb brauchen wir neue, intelligente Lösungen. Moderne Container‑Märkte großer Anbieter können in kleineren Ortsteilen eine verlässliche Grundversorgung sichern. Gleichzeitig müssen wir gemeinsam mit Vereinen und Initiativen vor Ort klären, was wirklich gebraucht wird Dorfentwicklung funktioniert nur, wenn sie aus den Ortsteilen heraus entsteht. Mein Ansatz ist pragmatisch: kurze Wege, moderne Lösungen und eine Nahversorgung, die sich an den Menschen orientiert. Man muss aber am Ball bleiben!
Wie könnte man Ortskerne, Marktplätze und öffentliche Treffpunkte attraktiver machen?
meine Antwort: Ortskerne werden attraktiv, wenn sie wieder echte Aufenthaltsorte sind. Für mich heißt das: klare Treffpunkte schaffen, kleine Flächen aufwerten, Sitzgelegenheiten, Grün, gute Beleuchtung und Raum für Vereine und Begegnung. Wenig Bürokratie!
Dazu gehören auch flexible Formate wie Wochenmarkt‑Tage, kleine Veranstaltungen oder mobile Angebote, die von Ortsteil zu Ortsteil wandern. Wichtig ist, dass wir gemeinsam mit den Menschen vor Ort entscheiden, was gebraucht wird, dann entstehen lebendige Orte, die wirklich genutzt werden.
Wie soll sich Schortens in den Ortsteilen baulich entwickeln, ohne seinen Charakter zu verlieren?
meine Antwort: Schortens soll sich weiterentwickeln, ohne seinen Charakter zu verlieren. Modernes Bauen ist wichtig, damit junge Familien hier eine Zukunft finden gleichzeitig müssen wir gewachsene Strukturen und Denkmäler pflegen. Jeder Ortsteil hat seine eigene Identität und die darf durch neue Baugebiete nicht überdeckt werden. Entwicklung heißt für mich auch: Leerstände angehen, Bauruinen beseitigen und Rosinenpickerei verhindern. Maßvoll, ortsbildgerecht und im Dialog mit den Menschen so bleibt Schortens modern und trotzdem erkennbar.
In der Vergangenheit gab es immer wieder groß angelegte Zukunftsprozesse oder Dorfentwicklungspläne. Wir Sillensteder haben daran immer mit großem Engagement teilgenommen. Leider ist der Eindruck entstanden, dass viele Pläne in der Schublade verschwunden sind und Ziele nicht weiterverfolgt wurden. Wie ließe sich der Prozess verbessern?
meine Antwort: Das darf sich nicht wiederholen. Für mich heißt ein guter Prozess: klare Ziele, klare Zuständigkeiten und regelmäßige Rückmeldungen, was umgesetzt wurde. Ich möchte quartalsweise berichten, Projekte verbindlich priorisieren und die Ortsteile früh einbinden. Aber auch wenn Projekte nicht umgesetzt werden können und nicht gut sind, eine Rückmeldung geben! Wenn wir transparent arbeiten und Ergebnisse sichtbar machen, entsteht Vertrauen und die Arbeit der Menschen vor Ort bekommt endlich das Gewicht, das sie verdient.
Runde 4: Verkehr, Sicherheit, Klima & Umwelt
Was ist Ihr konkreter Plan für die Sanierung von Straßen, Brücken, Rad- und Fußwegen, auch in den Ortsteilen?
meine Antwort: Für mich braucht Schortens einen klaren Plan für die Sanierung der Infrastruktur. Grundlage ist ein vollständiges Lagebild aller Straßen, Brücken sowie Rad‑ und Fußwege und eine Bauliste nach Dringlichkeit und Sicherheit, auch in den Ortsteilen. Und klar ist: Wir können nur das umsetzen, wofür Land und Bund die nötigen Mittel bereitstellen. Und ja, jedes Jahr liegen bauliche benötigte Maßnahmen der Politik vor und die Politik priorisiert und streicht viele wichtige Maßnahmen. Und da braucht man jetzt nicht plötzlich verwundert eine politische Straßen-Wege-Offensive ankündigen, dass ist unglaubwürdig.
Verkehrssicherheit vor Ort: Wie stehen Sie zu Tempo-30-Zonen, Parkplatzpolitik und Verkehrssicherheit vor Schulen und Kitas?
meine Antwort: Verkehrssicherheit ist für mich kein Randthema, sondern eine Pflichtaufgabe und auch als Vater, der noch ein Kind selbst in der Grundschule hat und viele Jahre zuvor das andere Kind auch in einer Schortenser Grundschule hatte. Vor Schulen und Kitas hat Sicherheit immer Vorrang, dort unterstütze ich klare Maßnahmen wie Tempo 30, bessere Querungen und sichtbare Wegeführung. Bei der Parkplatzpolitik geht es mir um praktische Lösungen, die Anwohner, Handel und Verkehr gleichermaßen berücksichtigen. Entscheidend ist: weniger Ideologie, mehr gesunder Menschenverstand und Maßnahmen, die wirklich wirken, besonders in den Ortsteilen. Hier müssen wir mit den Landkreis gemeinsam die Dinge schnell planen und umsetzen.
Wie stehen Sie zu Windkraft, Solarenergie und kommunaler Wärmeplanung?
meine Antwort: Ich kenne das Thema aus zehn Jahren als Klimaschutzmanager sehr gut. Für mich gilt: Wir müssen ehrlicher werden. Windkraft und Solar sind wichtig, aber sie müssen sich ohne dauerhafte Subventionen tragen und das größte Problem bleibt die Speicherung! Energie muss zur richtigen Zeit am richtigen Ort verfügbar sein, sonst bleibt sie teuer und unzuverlässig. Gleichzeitig verbrennen wir in Kommunen viel Geld in theoretischen Wärmeplanungen. Ich möchte das pragmatischer lösen: In neuen Baugebieten autarke Systeme mitdenken, Bürokratie reduzieren und technologieoffen bleiben, denn nicht jedes System passt überall.
Wie könnte man Klimaschutz mit den Interessen von Wirtschaft und Landwirtschaft verbinden?
meine Antwort: Ich kenne das Thema aus der Praxis: Klimaschutz funktioniert nur, wenn er mit Wirtschaft und Landwirtschaft zusammen gedacht wird. Für mich heißt das: Technologieoffenheit statt Ideologie, Maßnahmen müssen wirtschaftlich tragfähig sein und Betriebe dürfen nicht überfordert werden. Landwirtschaft braucht Planungssicherheit, moderne Technik und faire Rahmenbedingungen. Klimaschutz gelingt, wenn wir Energie, Produktion und Landwirtschaft so verbinden, dass CO₂ sinnvoll sinkt, Kosten bezahlbar bleiben und Betriebe weiterarbeiten können.
Energie vs. Landwirtschaft: Die Energiewende braucht Flächen. Wie wollen Sie die künftige Energieversorgung der Stadt sichern und dabei die Chancen für unsere lokale Landwirtschaft so einbinden, dass beide Seiten profitieren?
meine Antwort: Für die künftige Energieversorgung braucht Schortens Lösungen, die wir selbst steuern können. Externe Großprojekte wie der Energiepark Sande bergen Risiken, deshalb setze ich auf lokale Energiepotenziale oder Quartierslösungen und eine Einbindung der Landwirtschaft dort, wo sie stark ist Viehhaltung und Anbau statt Flächenverdrängung. In versiegelten Flächen sollten wir gezielt PV‑Potenziale prüfen. Ich bin kein Freund davon, landwirtschaftliche Flächen zuzubauen oder Wälder für Windkraft zu roden. Ziel ist eine regionale, stabile Energieversorgung, von der Stadt und Landwirtschaft profitieren.
Runde 5: Jugend, Familie, Sport & Ehrenamt
Jugendarbeit: Wie halten wir Schortens für Jugendliche attraktiv, vor allem in den Ortsteilen?
meine Antwort: Wir haben in Schortens viel für Jugendliche probiert, aber nicht alles wurde gut angenommen. Ich bin selbst in der Jugendszene aktiv, auch überregional im E‑Sport‑Card‑Gaming wie Yu‑Gi‑Oh, one Piece, Riftbound oder Pokémon. Da sieht man: Jugendliche wollen echte Herausforderungen, Action und Orte, die Spaß machen. Deshalb brauchen wir attraktivere Angebote von Erlebnisformaten. Gleichzeitig müssen Treffpunkte in den Ortsteilen so gestaltet sein, dass sie nicht nach drei Monaten leer sind. Für mich heißt das: Jugendliche früh einbinden, Angebote testen, schnell nachsteuern und ja, das kostet Geld, aber es lohnt sich.
Was halten Sie von der Idee, ein offizielles Jugendparlament einzuführen?
meine Antwort: Ein Jugendparlament wurde in Schortens schon einmal probiert, deshalb sollten wir es erneut und glaubwürdig versuchen. Entscheidend ist, dass sich junge Menschen wirklich interessieren und dass es wirksam ist, nicht nur ein Gremium auf dem Papier. Wenn Jugendliche echte Themen einbringen können, klare Ansprechpartner haben und ihre Ideen sichtbar umgesetzt werden, entsteht Beteiligung, die trägt. Ich bin offen dafür, aber nur, wenn es praktisch funktioniert und nicht wieder in den Sanden verläuft.
Gäbe es andere Möglichkeiten, den Jugendlichen eine Stimme zu geben?
meine Antwort: Das geht auch über Themenwerkstätten, digitale Beteiligungsplattformen, feste Jugendforen in den Ortsteilen oder projektbezogene Gruppen, die direkt an Entscheidungen andocken. Entscheidend ist: kurze Wege, echte Wirkung und sichtbare Ergebnisse. Wenn Jugendliche merken, dass ihre Ideen umgesetzt werden, entsteht Beteiligung, die trägt, ganz ohne große Hürden.
Senioren & Teilhabe: Wenn ehrenamtliche Angebote der Kirche und anderer Einrichtungen weniger werden: Welche Möglichkeiten gibt es, das Angebot für Senioren aufrechtzuerhalten?
meine Antwort: Für mich heißt das: Seniorenangebote wohnortnah sichern, Treffpunkte in den Ortsteilen stärken und Formate fördern, die wirklich genutzt werden. Das kann von offenen Begegnungscafés über Bewegungs‑ und Gesundheitsangebote bis zu digitalen Hilfen reichen. Wichtig ist, das Ehrenamt zu entlasten, mit klaren Ansprechpartnern, weniger Bürokratie und praktischer Unterstützung. Wenn wir Vereine, Nachbarschaften und soziale Träger besser vernetzen, bleibt Teilhabe auch dann möglich, wenn klassische Angebote wegfallen.
Ehrenamt & Vereine: Wie wollen Sie Vereine, ehrenamtlich Engagierte (auch in den Sportvereinen) finanziell und strukturell unterstützen?
meine Antwort: Für mich ist klar: Wir müssen Vereine und Ehrenamtliche finanziell und strukturell stärken, aber ohne sie in Bürokratie zu ertränken. Die aktuelle Richtlinie ist gut gemeint, aber zu aufwendig. Ich möchte sie mit dem neuen Rat schnell vereinfachen und dafür braucht es eine Mehrheit, die das auch wirklich will. Liebe Vereine: Fragt bei den Fraktionen/Parteien nach, wer bereit ist, diesen Weg mitzugehen. Vereine müssen sich für uns nicht komplett offenlegen und ihre gesamten Einnahmen und Ausgaben präsentieren. Wir brauchen klare Ansprechpartner, einfache Verfahren und Unterstützung, die ankommt im Sport, in der Kultur und im sozialen Ehrenamt. Wenn wir Bürokratie abbauen und Vereine entlasten, bleibt mehr Zeit für das, was zählt: Engagement für Schortens.
In der Vergangenheit gab es häufiger Kommunikationsprobleme zwischen Verwaltung und Vereinen. Wie ließe sich das verbessern?
meine Antwort: Kommunikationsprobleme entstehen oft, weil zu spät gesprochen wird. Deshalb brauchen wir frühzeitige Austauschformate, in denen Vereine ihre Themen einbringen können, bevor Entscheidungen fallen. Und eines ist mir wichtig: Wenn wir von ‚der Verwaltung‘ sprechen, klingt das schnell anonym. Aber der Bürgermeister ist der Verwaltungschef, dort liegt das Ruder, dort liegt die Verantwortung. Wir brauchen klare Ansprechpartner, verbindliche Rückmeldungen und kurze Wege. Wenn wir das schaffen, entsteht Vertrauen und die Zusammenarbeit funktioniert wieder.
Immer mehr Vereine haben Schwierigkeiten, Vorstandsnachfolger zu finden. Gibt es Ideen, die Vereine bei der Suche nach Nachfolgern im Vorstand zu unterstützen?
meine Antwort: Viele Vereine haben Schwierigkeiten, Vorstandsnachfolger zu finden, bestimmte Themen interessieren heute einfach weniger junge Leute. Gute Beispiele wie die IG Wald‑ und Kulturfreunde zeigen aber, dass Zusammenschlüsse funktionieren können. Vielleicht brauchen wir mehr solcher Vereinsverbünde, die Kräfte bündeln und Aufgaben teilen. Als Bürgermeister kann ich werben und vernetzen, aber nicht alles retten, einige Vereine werden am Ende trotzdem auslaufen. Wichtig ist, die zu stärken, die sich weiterentwickeln wollen und ihnen Wege zu zeigen, wie Nachfolge gelingen kann.
Mit welchen Angeboten könnte man eine Art Ortsbeirat oder Ähnliches einrichten, um den regelmäßigen Dialog mit den Ortsteilen zu führen?
meine Antwort: Für einen guten Austausch mit den Ortsteilen brauchen wir keine großen Gremien, sondern regelmäßige Gesprächsformate ein‑ bis zweimal im Jahr direkt mit den Vereinen, nicht nur bei Jahreshauptversammlungen. Und klar ist: ‚Die Verwaltung‘ ist nicht anonym, der Bürgermeister ist der Verwaltungschef und trägt die Verantwortung für funktionierende Kommunikation. Zusätzlich könnte ich mir vorstellen, quartalsweise zehn Bürger einzuladen, die sich vorher einfach online oder im Bürgerservice bewerben. Eine Stunde Klönschnack, klare Themen, kurze Wege, so entsteht echter Dialog mit den Ortsteilen.
Zum Schluß Fragen von den Bürgern
Wie können Bürgermeister und Verwaltung die 850‑Jahr‑Feier in Sillenstede im kommenden Jahr sinnvoll unterstützen, in enger Abstimmung mit Vereinen, Ehrenamt und Ortsteilen?
Drei Kandidaten haben ihre Unterstützung für die 850‑Jahr‑Feier in Sillenstede angekündigt. Das ist folgerichtig, denn Verwaltung und Bürgermeister können solche Veranstaltungen strukturell und personell unterstützen, unabhängig vom Rat. Das gehört zu den originären Aufgaben der Verwaltung und ist rechtlich eindeutig: Organisieren, begleiten, koordinieren all das darf und kann die Verwaltung leisten. Mit der Kulturkoordinatorin (Kultur- u. Eventmanagement) steht dafür sogar eine klare Ansprechstelle bereit, die solche Jubiläen professionell begleiten kann.
Nur bei finanziellen Fragen entscheidet die Politik, also der Rat. Ein bisher noch nicht gestellter klar formulierter Antrag zur finanziellen Unterstützung, wie von einem Mitbewerber angeregt, kann hier den Weg ebnen.
In diesem Zusammenhang war der Beitrag von Herrn Wolfgang Schmitz, dem letzten Gemeindedirektor vor der Abschaffung der Zweigleisigkeit und Vorsitzenden der Bürgerstiftung, besonders wertvoll. Ich habe ihn aus der Arbeit bei einem wichtigen Projekt in der Diakonie in 2015 kennengelernt. Unser Austausch war fachlich, freundlich und präzise, inklusive meiner Antwort zur Wärmeerzeugungsanlage. Seine Einschätzung zur 850‑Jahr‑Feier deckte sich mit meiner und der zweier weiterer Kandidaten. Eine Kandidatin sah das anders und bezeichnete die Unterstützungsbereitschaft „strukturell und personell“ kurz zuvor als unseriös.
Kurz darauf stellte sich heraus: Auch die Feuerwehr Sillenstede feiert 90‑jähriges und der Musikzug Sillenstede e.V. 65‑jähriges. Ein Jahr voller hervorragender Jubiläen und viel Ehrenamt. Strukturell und personell kann die Verwaltung hier allemal unterstützen, und mit einem einfachen, klaren Antrag zur finanziellen Unterstützung kann der Rat hoffentlich ebenfalls zustimmen.




